Torsten Scholz
Hörproben

Es gibt hier zur Zeit nur eine Hörprobe, garantiert GEMA-frei.

Das liegt - abgesehen von GEMA-Problemen auch bei Jazz-Standards - zuerst daran, dass alle Welt heute beim Konserven-Hören einen Industrie-Standard gewohnt ist, der umfassende Studio-Bearbeitung voraussetzt. Das wollen die Bands, in denen ich tätig bin, die Bebop-Combo und die Bigband nicht mitmachen. Deshalb spielen wir nur "live". Wir setzen auf "richtige", handgemachte Musik vor einem Publikum mit Gesichtern - das macht uns Freude.

Für industrielle Produktionen wird nichts dem Zufall überlassen, alles wird "zurecht gebogen":

  • Stimmen werden gedoppelt, angedickt, "humanisiert", mit Harmoniestimmen unterlegt, tonhöhenberichtigt, und wer weiß was noch
  • Instrumente werden von Verarbeitern konservierter Töne (Sampler) hinzuprogrammiert,
  • Instrumentenparts werden ausgebessert, in weniger gut gelungenen Passagen solange Korrekturen hineinkopiert, bis es "stimmt"
  • Störfrequenzen bereinigt
  • Lautstärken unterschiedlicher Stimmen/Instrumente angepasst
  • Hall, Echos, und sonstige Effekte eingepasst
  • Frequenzbänder entzerrt
  • Leise Passagen hochverdichtet, laute `runtergeregelt
  • Spuren immer wieder drüber gelegt, bis es wunschgemäß "klingt"
  • Tempi angepasst
  • und noch tausend Tricks angewandt

Entsprechend verwöhnt ist das Konserven-hörende Publikum. Konserven werden überall gehört, beim Joggen, beim Arbeiten, beim Schlafen, beim Einkaufen, bei der Körperpflege, an der Bushaltestelle, in der Bahn, natürlich beim Feiern, beim Essen, auf dem Klo, eigentlich überall und immer. Entsprechend niedrigwertig, weil dauerpräsent wie die Luft zum Atmen, ist Musik geworden. Es sei denn, man entzieht sich bewusst.

Ich entziehe mich diesem vernichtenden Einfluss; und setze auf Live-Musik!

Alternativ zu anfassbarer Konserven-Musik (z.B. Kassetten (huch, gibt's die noch?), Schallplatten, CDs, mp3 auf USB-Sticks) steht heute das Internet-Streaming hoch im Kurs. Als Musiker muss man dann im Internet präsent sein und die virtuelle Community zum "liken" bringen - dann (und nur dann) ist man wer. Heute berühmt, morgen vergessen. Da mache ich auch nicht mit.

Ich entziehe mich der zwanghaften virtuellen Präsenz am Bildschirm und setze auf Kontakte zu lebenden Menschen!

Dann ist da noch die GEMA. Deswegen eine GEMA-freie Hörprobe, nicht ganz ernst gemeint.

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